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Nov 15 2017

Verärgerung über Geldschwemme der EZB

Laut dem Ergebnis der jüngsten Sitzung der europäischen Währungshüter führt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Nullzinspolitik auch zukünftig weiter fort. So wird das umstrittene Anleihenkaufprogramm Quantitative Easing, kurz QE, noch mindestens bis September nächsten Jahres weiterlaufen. Der Präsident Mario Draghi flutet die Euro-Zone weiter mit billigem Geld. Vor allem aus Deutschland hagelt es harsche Kritik gegen diese Vorgehensweise.

Akzeptanz der EZB schwindet

Vielen Experten stößt das Festhalten am fragwürdigem Kurs sauer auf. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger im Rahmen der Initiative „Leaders` Parliament“ unter 100 Führungskräften der Wirtschaft hierzulande macht dies deutlich. Fast zwei Drittel der Befragten äußern, dass die Geldschwemme und das stoische Verhalten der Währungshüter zu einem nachhaltigen Vertrauensverlust in die Arbeit der EZB führt.

Bruch eines ungeschriebenen Gesetzes

Nach Meinung von nahezu jedem vierten Manager gibt die Notenbank durch dieses Handeln ihre wichtige ökonomische Steuerungsfunktion auf. In der Vergangenheit galt das ungeschriebene Gesetz, dass bei einer positiven konjunkturellen Entwicklung die Zinsen parallel dazu erhöht werden. Gegen diesen Grundsatz hat die EZB verstoßen.

Draghi schreibt Geschichte

Die Konjunktur in den EU-Staaten hat mittlerweile angezogen. Dies ist der positive Aspekt aus dem Anleihenkaufprogramm, bei dem monatlich Billionen in den Markt gespült wurden und auch weiterhin werden. Trotzdem verliert Draghi keinen Gedanken daran, die Käufe zu stoppen. Auch eine Erhöhung des Leitzinses steht nicht zur Debatte. Er machte deutlich, dass erst nach Ablauf des QE eine Zinserhöhung denkbar sei. Draghi kann Geschichte schreiben, denn er ist somit der erste EZB-Präsident, in dessen Amtszeit nie an der Zinsschraube gedreht wurde.

Aufgeblähte Bilanzsumme

Einige Zahlen belegen die expansive Geldpolitik der EZB. So beträgt die Bilanzsumme der amerikanischen Notenbank Fed 23 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, während der Satz in Europa bei über 40 Prozent liegt – dies entspricht einer Verdoppelung innerhalb von nur drei Jahren. Die zunehmend lockere Geldpolitik hat dabei auch den maroden südeuropäischen Volkswirtschaften unter die Arme gegriffen, die mittlerweile ein ansehnliches Wachstum verzeichnen. Weiter zeigt das Ergebnis der Umfrage auf, dass immer mehr Wirtschaftsbosse Kritik an der Geldpolitik der EZB üben. In diesem Zusammenhang darf nicht außer Acht gelassen werden, dass sie selbst vom vorgegebenen Kurs profitieren, da durch stark gesunkene Darlehnszinsen eine Kreditaufnahme enorm verbilligt wurde.

Enteignung der deutschen Sparer

Der Erwerb von Firmenanleihen ist ein Teil des QE-Programms. Aktuell kauft die EZB jeden Monat für einen Gegenwert von € fünf bis acht Milliarden sogenannte Cororate Bonds und daran wird sich laut Draghis Worten vorerst nichts ändern. Dem Exportland Deutschland spielt der verhältnismäßig günstige Euro-Kurs natürlich in die Karten. Außerdem steigt der Konsum, da Sparen wegen fehlender Guthabenzinsen für viele Bürger den Reiz verloren hat. Aber trotz günstiger Vorzeichen warnen befragte Manager vor unangenehmen Nebenwirkungen der Geldpolitik. Dabei stößt vor allem die Enteignung des deutschen Sparers negativ auf. Denn Guthabenzinsen existieren bestenfalls noch in homöopathischer Höhe, während die Inflationsrate kontinuierlich zulegt.

Realzins liegt bei minus 1,24 Prozent

In diesem Jahr stiegen die Preise hierzulande um 1,6 Prozent, während Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit gerade einmal einen Zins von 0,36 Prozent abwerfen. Somit liegt der Realzins bei minus 1,24 Prozent und der Sparer büßt mit klassischen Zinsprodukten massiv an Kaufkraft ein. Diese Entwicklung begann bereits im Jahr 2011 und nach einer Studie der Direktbank Comdirect verlieren die Deutschen infolgedessen pro Jahr € 34,2 Milliarden – also pro Haushalt € 872. Den Löwenanteil mit € 22,3 Milliarden verursachen dabei die Tagesgeldkonten. Mittlerweile bescheinigen viele Bundesbürger der EZB ein schlechtes Image – wen wundert das schon? Andererseits werfe ich selbst so manchem Sparer Realitätsverweigerung vor, sofern sie weiterhin Erspartes mit Verlust auf Bankkonten parken. Es gibt vernünftige Alternativen.

Nur 13 Prozent der Führungskräfte loben Draghi

Lediglich bei einem Drittel der befragten Führungskräfte hat Draghis Politik noch Kredit. 22 Prozent der Manager sehen das Problem darin, dass die Wirtschaftskraft der einzelnen EU-Staaten sich stark unterscheidet und die EZB nicht ausschließlich Geldpolitik für Deutschland machen kann, sondern auch für schwächere Staaten wie etwa Griechenland und Italien. 13 Prozent loben die EZB, da durch eine expansive Geldpolitik das Wachstum nach Europa zurückgekehrt ist.

 

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