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Volks- und Raiffeisenbanken sehen schwarz für Sparer

Dem scheidenden Präsidenten des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, bereitet die aktuelle Zinssituation Sorge. Er hat die Hoffnung auf steigende Zinsen mittlerweile aufgegeben und ist davon überzeugt, dass deutsche Sparer noch einige Jahre unter diesem Zustand leiden müssen. Die Verbraucherpreise ziehen an und zunehmend mehr Kreditinstitute gehen dazu über, Strafzinsen von ihren Kunden zu verlangen. Unterm Strich bedeuten Nullzinsen abzüglich Inflation sowie Verwahrungsentgelte der Banken für den Sparer eine Kapitalvernichtung.

Die Verantwortung trägt die Europäische Zentralbank

Verantwortlich für diese Situation ist die Europäische Zentralbank (EZB). Für Fröhlich ist es höchste Zeit, sich von der gegenwärtigen Geldpolitik zu verabschieden. Diese sei vielleicht zur Bekämpfung einer Deflation geeignet, passe aber nicht zu einer Phase des konjunkturellen Aufschwungs. „Die Wirtschaft des gesamten Euro-Raums wächst so schnell wie die deutsche, die Inflation normalisiert sich allmählich und die Arbeitslosigkeit geht weiter zurück“, so der Präsident des BVR.

Kritik an Unterstützung italienischer Banken

Enttäuscht zeigt er sich von der Rettung italienischer Banken auf Kosten der Steuerzahler. Die Länder der europäischen Bankenunion hatten vor geraumer Zeit versprochen, den Bürger nicht für in Schieflage geratene Kreditinstitute bluten zu lassen. Diese Lehre zogen sie aus der Finanzkrise 2007, so weit zur Theorie. Aber der politische Wille wiegt eben häufig mehr als vereinbarte Regeln. Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus Spanien. Dort bewahrte das Bankhaus Santander den taumelnden Konkurrenten Banco Popular in letzter Sekunde vor einer Abwicklung und übernahm ihn für den symbolischen Kaufpreis von € 1. Diese Aktion wurde von vielen Seiten gelobt. Allerdings war die Enttäuschung umso größer, dass sich die Italiener am Steuerzahler schadlos hielten.

Politik macht ihre eigenen Gesetze

Gerhard Hofmann, Vorstandskollege von Uwe Fröhlich, spricht in diesem Zusammenhang von einer Bankenunion à la carte. Nach Gutdünken werden Entscheidungen zur Haftung der Gläubiger und zur Abwicklung von Banken getroffen. Jedoch zeigt der Vorfall in Italien, dass sich die Politiker über geltende Gesetze und Regelungen hinwegsetzen.

Ende der Nullzinsen nicht absehbar

Gegen eine Änderung der Finanzpolitik und damit steigender Zinsen sprechen politische Gründe. Denn seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor 10 Jahren hat sich die Verschuldung vieler Länder drastisch erhöht – lesen sie dazu mehr. Folglich können sich Staaten, wie etwa Italien, keine höhere Belastung durch Zinsen leisten. Auch die Banken selbst werden zur Kasse gebeten. Denn parken sie überschüssige Liquidität bei der Landeszentralbank, wird ein Strafzins in Höhe von 0,4 Prozent fällig. Mittlerweile gehen viele Kreditinstitute dazu über diese Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, allen voran die Volks- und Raiffeisenbanken. Das ist der Preis für Europa.

Strafzinsen belasten Banken

Sparguthaben, die brach auf den Konten liegen, kosten den Banken Geld. Andererseits will man Kunden aber auch nicht verärgern, die z.T. schon seit Generationen ihrem Bankhaus die Treue halten. Bei Gewerbekunden argumentieren die Volksbanken mit Selbstschutz, wenn diese hohe Summen auf ihren Konten bunkern. Einige seien inzwischen von ihren Kreditinstituten abgewandert, weil sie dort bereits dafür belangt wurden, da die Volksbanken in der Vergangenheit keine Strafzinsen in Rechnung gestellt haben. Dieser Trend muss gestoppt werden. „Eine so präsenzstarke Gruppe wie die unsere muss auf der Preis- und Konditionsseite eine faire Bepreisung ihres Angebotes im Markt vornehmen – erst recht in Zeiten des Niedrigzinses“, betont Uwe Friedrich.

Gewinne der Volks- und Raiffeisenbanken sinken

Die aktuelle Zinssituation geht natürlich nicht spurlos an den Banken vorbei. Das zeigen die Zahlen  der genossenschaftlichen Finanzgruppe, so gingen der konsolidierte Vorsteuergewinn auf € 8,3 Milliarden und der Überschuss auf € 5,9 Milliarden zurück. Verantwortlich dafür ist der um sechs Prozent gesunkene Zinsüberschuss. Zur genossenschaftlichen Finanzgruppe zählen neben 972 Volks- und Raiffeisenbanken, die DZ Bank, die Fondsgesellschaft Union Investment, die R + V Versicherung, sowie die Bausparkasse Schwäbisch Hall. Für das aktuelle Jahr werden geringfügig schwächere Ergebnisse als 2016 erwartet.

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